Therapie für Pferde

Dieses Kapitel gibt Ihnen einen Überblick über die Therapie im Bewegungsapparat für Pferde. Lesen Sie aber bitte zuvor das Kapitel "Grundlagen der Therapie".

Zur Beurteilung des Gesamtzustandes des Bewegungsapparates von Pferden sind auch folgende Informationen hilfreich: Art der Hufbearbeitung, Zahngesundheit, Stoffwechselerkrankungen, Haltungsart sowie Reitweise. Bei Problemen, die indirekt den Bewegungsapparat beeinflussen arbeite ist ergänzend mit entsprechenden Spezialisten zusammen. Nähere Informationen hierzu finden Sie unter den "Partnern".

Bitte beachten Sie, das in der Regel ein Mensch auf dem Pferd sitzt und das sich beide Bewegungsapparate, also der des Menschen und der des Pferdes gegenseitig beeinflussen. Nur ein schmerzfreier und statisch ausbalancierter Mensch wird mit seinem Pferd im Einklang sein.

1. Vorinformationen
2. Diagnose
3. Therapie
4. Wie es dem Pferd nach der Therapie geht
5. Was Sie mit dem Pferd nach der Therapie machen können
6. Wie es weiter geht

1. Vorinformationen

Damit Sie in Ruhe alle Informationen im Vorfeld zusammentragen können, bekommen Sie von uns einen Anamnesebogen für Ihr Pferd zum Ausfüllen zugeschickt. Über die akutellen Datenschutzrichlinien klären wir Sie vorher persönlich auf. Diese Informationen helfen uns einen Ersteindruck von Ihrem Pferd und seiner Geschichte zu bekommen. Sollten Röntgenbilder oder Berichte von Kliniken bzw. den behandelnden Tierärzten vorliegen, dann schicken sie uns diese bitte vorher zu.

Weiter unten sind die wichtigsten Informationsparameter übersichtlich zusammengestellt und mit einer kurzen Erklärung ergänzt, damit sie verstehen warum diese Angaben wichtig sind.

Information Erklärung
Rasse, Alter, Geschlecht Jede Pferderasse hat spezielle anatomische Besonderheiten oder auch Krankheitsbilder die Rassetypisch auftreten können.
Der Körperbau, sein Zustand, seine Flexibilität usw. hängen teilweise vom Alter ab.
Haltungsform Je nachdem in welcher Halstungsform Pferde gehalten werden können Sie unterschiedliche Muskelproportionen aufbauen.
Reitweise und Häufigkeit Beides entscheidet darüber welche Muskelgruppen besonders trainiert werden und in welchem Ausmaß. Ggf. gibt es prädisponierte Überlastungsbereiche.
Anzahl der Reiter Das Pferd muss sich auf jeden Reiter individuell einstellen. Jeder Reiter beeinflusst die Statik des Pferdes. In der Regel sieht man bei der Therapie nur den Besitzer, nicht aber die Reitbeteiligungen. Sollten statische bzw. dynamische Veränderungen des Pferdes und des Besitzers nicht korrelieren, so kommen Einflüsse der anderen Reiter in Frage.
Futter Die Wahl des Futters kann einen entscheidenden Einfluss auf den Säure-Basenhaushalt haben. Dieser kann sich wiederum in einer generalisierten Veränderung der Muskulatur und des Bindegewebes zeigen. Dies ist aus differenzialdiagnostischen Überlegungen wichtig um keine falschen Interpretationen zu stellen.
Bewegungsapparat: Vorerkrankungen Wichtig zur Erkennung allgemeiner Schwachstellen und der Abklärung evtl. Kontraindikationen
Bewegungsapparat: Vorbehandlungen Ebenfalls wichtig zur  Erkennung allgemeiner Schwachstellen. Häufig sind Gelenksstrukturen und das umliegende Gewebe nach häufigen chiropraktischen Manipulationen verändert. Die Kenntnis darüber ist wichtig um keine Fehlinterpretationen zu stellen.
Narben, alte Verletzungen Narben können Störstellen des allgemeinen Energieflusses darstellen und somit eine potentielle Quelle für Blockaden muskulärer bzw. artikulärer Art sein.
Vorerkrankungen: Stoffwechsel Stoffwechselerkrankuungen (z.B. Störungen im Verdauungstrakt) können einen direkten Einfluss auf das Exterieur haben bzw. auch für verschobenen Wirbel verantwortlich sein. Ein gutes Beispiel hierfür sind Kolik anfällige Pferde.
Zahnarzt Gerade Zahnprobleme verursachen bei Pferden sehr häufig extreme Schmerzen bzw. Fehlstellungen im Kiefer. Diese wiederum können zu Verspannungen und Blockaden im Halsbereich führen.
Hufbearbeitung Die korrekte Hufbearbeitung ist die Basis für den gesamten Körper und seiner Statik. Man kann dem Bewegungsapparat so viel Gutes tun wie man will, wenn das Fundament nicht stimmt.
Allgemeine Auffälligkeiten: Kopfschlagen, Kopfscheu, Sattelzwang, Buckeln, Austreten, Stolpern, Schreckhaft, Kotwasser, … Jede Auffälligkeit hat einen Grund, häufig liegt dieser Grund auch im Bewegungsapparat. Wenn nicht muss man auch an anderer Stelle suchen und zwar gemeinsam mit anderen Fachleuten.
Fotos Bei besonderen Fragestellungen oder Problemen ist es sinnvoll mir schon vorab Fotos zuzuschicken.

 

2. Diagnose

Der Termin vor Ort gliedert sich in zwei Teil-Bereiche: Einen diagnostischen und einen therapeutischen Anteil. Je nach Komplexität des Beschwerdebildes variiert der zeitliche Aufwand des diagnostischen Anteils. Diese ausführliche Untersuchung des Bewegungsapparates umfasst hierbei sowohl die statischen als auch dynamischen Aspekte und gezielte Funktionstests.

Zu der statischen Analyse gehört die genaue Begutachtung des Pferdes im Stand und palpatorische Untersuchungen des Muskel und Bindegewebes. Aus diesen Informationen erhalte ich einen Überblick über statische Dysbalancen, Spannungsverhältnisse, Temperaturdifferenzen, eventuellen Schmerzreaktionen u.ä. Die statischen Problemzonen des Pferdes werden für spätere Dokumentationen ggf. fotografiert.

Bei der dynamischen Analyse werden in der Regel Schritt, Trab und Galopp auf beiden Händen vergleichend beurteilt und Bewegungseinschränkungen erfasst. Des Weiteren ist eine Ganganalyse des Schrittes auf hartem Untergrund bei geradliniger Fortbewegung wichtig. Enge Wendungen liefern weitere Informationen.

Nach den statischen und dynamischen Analysen schließen sich gezielte Funktionstest an. Diese Funktionstests basieren auf den Ergebnissen der vorherigen Analysen und dienen als Bestätigung bereits beobachteter Bewegungseinschränkungen bzw. zur Abklärung unklarer Sachverhalte.

Nach diesen Untersuchungen und Tests in Kombination mit den erhaltenen Vorinformationen bekomme ich ein sehr genaues Bild von dem jeweiligen Pferd und seinen Problemen. Es hilft mir die richtige Therapie für ihr Pferd zu finden.

3. Therapie

Je nach Komplexität des Beschwerdebildes dauert eine Therapie ein bis zwei Stunden. Zusammenfassend sind die wichtigsten Eigenschaften der Therapie folgende:

  • Jede Gelenkskorrektur wird in aktiver oder passiver Bewegung der Muskulatur ausgeführt. Hierzu ist unter anderem relativ viel Platz für die Therapie notwendig. Am idealsten sind hierfür Reithallen oder Plätze mit weichem und rutschfestem Untergrund.

  • In einigen Fällen werden Sie als Pferdebesitzer auch mit in die Therapie eingebunden.

  • Der Bewegungsapparat des Pferdes wird immer ganzheitlich betrachtet und therapiert. Singuläre, sprich lokale Blockade-Lösungen würden zeitlich gesehen nur kurzen Erfolg bringen. Es ist daher wichtig möglichst alle Blockaden zu erkennen und zu therapieren. Nur so ist nach der Therapie keine lokale Dysbalance mehr vorhanden, die den ganzen Bewegungsapparat wieder stören könnte.

4. Wie es dem Pferd nach der Therapie geht

Generell kann man davon ausgehen, dass Pferde nach einer Therapie ca. 1-5 Tage einen Muskelkater haben. Dies liegt daran, dass durch die statische Umstellung ganz andere Muskelgruppen verwendet werden bzw. diese anders eingesetzt werden. Häufig ist das Gangbild in den ersten Tagen nach der Therapie etwas „eirig“. Der Köper muss sich erst an die neuen Gegebenheiten anpassen. Jeder, der schon einmal eine Therapie für Menschen an sich selbst erfahren hat, kennt dieses Gefühl: Man war jahrelang schief, der Körper hat sich aber daran gewöhnt. Nach der Therapie ist der Körper zwar gerader aber es dauert bis der Kopf die neue Lage im Raum nicht mehr als merkwürdig empfindet. Des Weiteren kann es zu einer deutlichen Veränderung des Exterieurs kommen, grundsätzlich sollte aber der Eindruck eines lockeren und entspannten Pferdes vorhanden sein.

5. Was Sie mit dem Pferd nach der Therapie machen können

Das wichtigste ist die gerade Bewegung! Das Beste ist, Sie gehen die ersten 3-6 Tage nach der Therapie mit Ihrem Pferd so viel es geht spazieren (wie gesagt möglichst viel geradeaus). Somit hat Ihr Pferd genügend Zeit sich auf die neuen Bewegungsabläufe einzustellen und die Muskeln und Gelenke werden ohne große Belastung bewegt. Nach den Spaziertagen können Sie wieder leicht mit Ihrem normalen Reitprogramm beginnen, aber bitte ganz ganz langsam steigern (über 1-2 Wochen). Reiten Sie die ersten male mit langen Zügeln und gewöhnen Sie sich an die neue Situation (Beginnen Sie am ersten Tag mit 5 Minuten Schritt). Sie werden selbst am besten merken wie sich Ihr Pferd bewegt. Stellen Sie Ihr Reitprogramm einfach auf die Situation Ihres Pferdes ein. Manche Pferde brauchen länger andere sind in Ihrer Anpassungsphase schneller.

6. Wie es weiter geht

In der Regel ist die Folgetherapie nach ca. 4 -8 Wochen zu empfehlen um die Strukturveränderungen zu festigen bzw. um kleine Blockaden, die sich wieder eingestellt haben nochmals zu therapieren. In schwierigen und chronischen Fällen können unter Umständen auch mehrere Therapien notwendig sein. Als Prävention empfehle ich ca. 2-3 Behandlungen pro Jahr, damit die Körperstatik erhalten bleibt und Sie auch in Zukunft viel Freude am Reiten haben. Diese Empfehlung gilt auch für Sie als Reiter selbst.

     
   Impressum / Datenschutz